Wer sich erinnert, lügt

Seit ich beschlossen habe, meine Familiengeschichte aufzuschreiben, arbeitet die Gedächtniszentrale in meinem Kopf pausenlos, sendet Filme auf meinen inneren Bildschirm und Gesprächsfetzen, bombardiert mich mit Fragen und hält mich mit Erinnerungen vom Schlafen ab. Ab und an runzle ich gedanklich die Stirn und frage mich: Kann das überhaupt so passiert sein?

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„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ – aber geht’s nicht auch sanfter?

Immer wenn ich ein paar Tage an der Ostsee verbringe, in der Gegend, wo ich aufgewachsen bin, ploppen in mir die Erinnerungen auf. Es reicht schon, wenn ich den maroden Bürgersteig entlanggehe, über den ich als Zehnjährige meinen frisch geborenen Neffen im Kinderwagen geschoben habe, oder die Bank sehe, auf der ich meinen ersten heißen Kuss bekam. Wahrscheinlich ist es gar nicht mehr dieselbe Bank, aber das Gefühl, das die Erinnerung hochholt, ist noch dasselbe wie damals. Von einem Feriencamp weht Küchendunst zu mir herüber – und zack, bin ich wieder zwölf Jahre alt und ekle mich im Mathelager vor der ollen Kohlsuppe.